Autor:
Brian K. Vaughan
Zeichner:
Scott McDaniel
Preis: 4,10 Euro
Erscheinungsdatum: 18.07.2002
Inhalt:
Us-Batman 588-589
Matches Malone sitzt in einer Kneipe und beschwert sich, dass keiner ihm mehr traut. Plötzlich taucht Batman auf und verlangt Informationen über illegale Waffenlieferungen von ihm. Obwohl Batman ihm hart zusetzt, hält Matches den Mund und wagt es sogar, ihm ins Gesicht zu spucken. Nachdem der dunkle Ritter verschwunden ist, verlangt Scarface mit Matches zu sprechen. Sein Schweigen hat ihn beeindruckt, er will Matches als vertrauenswürdigen Gehilfen bei der Waffenlieferung dabeihaben.
Kaum ist Malone ein paar Straßen weiter wieder alleine, steigt er zu Batman in das Batmobil. Natürlich war Matches in Wirklichkeit Bruce Wayne in Verkleidung, der durch diese Show Zugang zu Scarfaces Waffenring bekommen wollte. Zu diesem Zweck hatte Nightwing das Fledermaus-Kostüm getragen. Ein paar Stunden später greift Batman den schwer bewaffneten Zug mit den Waffen an. Zwar kann er das Geschäft verderben, doch Scarface entkommt mit dem Schwur, sich an Matches -der ihn offensichtlich verraten haben muss- zu rächen. In der Bathöhle bekommt Bruce eine unfassbare Meldung von Oracle: Matches Malone wurde angeschossen.
Unterwegs zum Ort des Geschehens erzählt Batman Nightwing, was es wirklich mit Malone auf sich hat. Vor langer Zeit, als Batmans Karriere noch ganz am Anfang stand, versuchte Bruce, sich in Verbrecherkreise einzuschleichen. Doch da ihm immer Misstrauen entgegengebracht wurde, wollte er den Plan schon aufgeben. Schließlich traf er die Brandstifter Matches und Carver Malone. Carver wurde irgendwann erschossen, Batman vermutete seinen Bruder als Täter. Als der sich daraufhin in einem Gebäudebrand scheinbar das Leben nam, fasste Bruce einen drastischen Entschluss, hielt seinen Selbstmord geheim, und nam Matches Indedität an.
Gegenwart. Batman und Nightwing stehen einem sterbenden Matches Malone gegenüber, der ihnen seinen Teil der Geschichte erzählt. Sein Bruder nam sich damals in Wirklichkeit selbst das Leben, doch da das unehrenhaft war, lies Matches es wie Mord aussehen. Wenig später täuschte er seinen eigenen Tod vor und legte eine unkenntliche Leiche in die Trümmer. Batman hatte das in der Eile, Matches' Platz einzunehmen, übersehen. Nach Jahren des Versteckens bekam Malone mit, dass er nun in Gotham als Verräter bezeichnet wird, und kehrte zurück. Kaum angekommen, fiel er Scarfaces Wut zum Opfer. Nun hat er nur noch einen Wunsch an Batman: Scarface soll getötet werden. Batman verspricht es.
Kommentar:
Nach der zweimonatigen Officer Down-Unterbrechung (über diese Geschichte hat DCFP-Mitarbeiter Norbert Elbers bereits ein ausführliches Special verfasst) geht es in gewohnter Qualität weiter.
Stammautor Ed Brubaker nimmt sich eine Auszeit und überlässt die Serie für die Dauer dieses Dreiteilers dem Batman-Neuling Brian Vaughan. Hey, ich hatte auch Bedenken, immerhin sind wir nach der unsäglichen Hama-Zeit mit Brubaker gerade erst richtig warm geworden. Dennoch kann man Vaughan nichts vorwerfen, er stellt sein Talent unter Beweiß und hat einen wirklich guten Job gemacht.
Die Handlung beruht zu einem großen Teil auf Verwirrspielen und Verwechslungen. Scarface hält Bruce Wayne für Matches, der Leser hält Nightwing für Batman, Batman verwechselt eine unbekannte Leiche mit Matches, ein Selbstmord wird zum Mord, und eine Abtauchaktion zum Selbstmord. Und irgendwo zwischen all diesen Idenditäten treibt sich auch der echte Malone herum.
Bei all dem Durcheinander hätte leicht ein heilloses Chaos herauskommen können, trotzdem hält Vaughan fast ständig die Fäden sicher in der Hand, und die Verwirrung hält sich in Grenzen. Die Überraschungen sind gut gelungen, und auch die ungradlinige Erzählweise des zweiten Teils ist kein Selbstzweck, sondern tut der Story gut.
Trotzdem hat die ganze Sache einige Haken, die den positiven Gesamteindruck stören. Zunächst einmal ist eine Geschichte über ein Alter Ego (Matches) eines Alter Egos (Batman) von Bruce Wayne ein wenig weit hergeholt. Wenn Malone je eine große Rolle im Batman-Universum gespielt hätte, wäre es etwas anderes, aber wie oft sind wir ihm denn schon begegnet...? Eine ganze Ausgabe lang seine Herkunftsgeschichte erzählt zu bekommen, ist in dieser Form reichlich uninteressant. Hätte Vaughan sich an einer kleinen, persönlichen Erzählung um einen Kleinkriminellen versucht, hätte der ganze "mein Bruder hat sich wegen mir umgebracht und ich muss dafür büßen"-Plot richtig gut werden können.
Dieser Teil ließt sich auch wirklich ordentlich, steht aber viel zu sehr im Schatten einer großen Rätselgeschichte. Die Auflösung ist zwar nicht uninteressant, aber auch nicht spannend genug, um zehn Seiten in Bruce Waynes Vergangenheit zu rechtfertigen. Der echte Matches Malone stirbt in dieser Ausgabe. Um seinen Tod dramatischer zu gestalten, wurde kurz davor seine Geschichte vorausgeschickt, aber das Konzept geht nicht auf. Wir kennen die Figur nicht lange genug, um mit ihr mitzufühlen, die tränenreiche Schlussszene ist einfach konstruiert. So wie die Dinge liegen, hat Vaughan zwei Richtungen gleichzeitig eingeschlagen, und keine kann auf eigenen Füßen stehen.
Zudem verhällt sich Malone einfach zu dämlich, als dass man Mitleid mit ihm haben kann. Er weiß, dass nach Jahren des Abtauchens auf seinen Kopf ein Preis ausgesetzt ist, und hat trotzdem keine bessere Idee, als einfach in die nächte Kneipe zu rennen und "hat hier jemand ein Problem mit mir" zu rufen. Da hätte er sich eigentlich auch gleich eine Zielscheibe auf die Nase pinseln können, autsch.
Dass Malone nach so vielen Jahren nicht nur die exakt selbe Kleidung, sondern auch ein identisches Aussehen hat, leuchtet auch mit zugekniffenem Auge nicht ganz ein. Doch wenigstens bringt Vaughan diesen Punkt selbst zur Sprache. Genau wie bei der Frage, warum Scarface zwar keine 'B's, sehr wohl aber 'P's aussprechen könne, macht so ein kleines Zugeständnis des Autors doch einiges wieder wett.
Die eigentliche Geschichte beginnt aber jetzt erst, schließlich stellt Batmans Versprechen ein echtes Problem für alle dar. Bruce dreht wieder einmal kräftig am Rad und macht seinen Gefährten ernste Sorgen: Zum ersten Mal kann Nightwing Batmans Idenditäten nicht mehr klar trennen, damit hatte ja auch Bruce in der Transferenz-Story erste Probleme. Auch dies ist nur ein weiterer Schritt einer einer Entwicklung, die irgendwann zu einem gewaltigen Umbruch führen wird. Auf jeden Fall verspricht das Finale der Malone-Geschichte in der nächten Ausgabe richtig spannend zu werden. Es gäbe wohl eine Möglichkeit, wie Batman mit heiler Haut aus seinem Versprechen herauskommen kommen, aber wir werden sehen...
Fazit:
Trotz einiger kleineren und größeren Ecken und Kanten ein gelungenes Heft, dass wieder einmal zeigt, wie wenig gigantische Crossover für gute Geschichten benötigt werden. Brian Vaughan hat den Batman-Einstand bestanden und liefert gleichermasen gute Dialoge und eine packende Gesamterzählung. Über Zeichner McDaniel gibt es keine Worte mehr zu verlieren, sein Stil passt auf jeden Fall wieder gut zu dieser Geschichte.
Lukas 'Ruppoman' Wilde