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Batman #12


Batman #12 Autoren:
Ed Brubaker, Jen Van Meter

Zeichner:
Scott McDaniel, Coy Turnbull

Preis: 4,10 Euro
Erscheinungsdatum: 18.04.2002




Inhalt:
Us-Batman 586
Der Pinguin befindet sich auf seiner Privatjacht und erzählt einem Gast, wieso er gerade auf der Flucht ist. Aufgrund einer alten Fehde hatte er beschlossen, Batman zu töten. Als Köder für seine Falle hatte der Pinguin von seinen Gangstern ein älteres Ehepaar erschießen, und das überlebende Kind der beiden kidnappen lassen. Batman war dem Auto der Mörder auf den Versen, kaum dass es einen Block weit gekommen war. Es gelang ihm, nach einer dramatischen Verfolgungsjagd, den Wagen zum stürzen zu bringen und die Leute des Pinguins auszuschalten. Doch das alles war nur eine Falle, die angeblichen Opfer in Wirklichkeit Roboter von Lexcorp, und der kleine Junge eine mechanische Bombe. Batman stirbt in einer gewaltigen Explosion.
Doch die Freude des Pinguins währt nicht lange, seit diesem Tag verfolgen ihn nämlich die diversen Sidekicks Helfer Batmans. Deswegen musste er auf seiner Jacht flüchten, doch das war es ihm wert. Er erzählt diese Geschichte einem gefesselten Bruce Wayne, an dem er sich ebenfalls rächen will. Der Pinguin erschießt ihn, und genießt sein Siegesgefühl.
Ein Helfer des Pinguins spricht ihn in seinem Wolkenkratzer an. Oswald Cobblepot wird aus seinen Gedanken gerissen. Es war nur ein Tagtraum.

US-Gotham Knights 12
Eine Serie von Raubüberfällen hält Barbara Gordon auf Trab. Die Polizei kann sich nicht darum kümmern, da immer nur kleine Beträge gestohlen, und die Opfer kaum verletzt wurden. Was Barbara daran stört ist, dass der Täter es nur auf Gehbehinderte abgesehen hat. Sie hat gerade eine depressive Phase, und muss immer wieder daran denken, wie der Joker sie vor Jahren anschoss. Um sich abzulenken, verbeißt sich Barbare also in ihren Räuber-Fall. Mittels Computer-Recherchen findet sie Gemeinsamkeiten unter den Opfern, alle haben sich für ihre Behinderung viel Schadensersatz-Geld erstritten.
Barbara versucht, den Täter in eine Falle zu locken. Sie verbreitet über alle Medien, dass sie ihren Vater, Wayne-Tech, und das Arkham Asylum verklagen wolle. Der Täter beißt an, und besucht sie mit Schimaske und Kampfmesser in ihrer Wohnung. Es stellt sich heraus, dass er früher viel Geld bezahlen musste, weil sich drei Arbeiter auf seiner Baustelle verletzt haben. Doch bevor er seinen Frust an Barbara auslassen kann, schlägt sie ihn k.o., kurz darauf steht auch die Polizei in ihrer Wohnung.


Kommentar:
Okay. Was war das denn?!?
Zunächst einige Erklärungen zur ersten Story: Batmans Tod aus der Sicht des Pinguins war in den USA Teil des Mini-Events "In This Issue: Batman dies". Welches Genie auch darauf gekommen sein mag, das Konzept schrieb den Autoren vor, dass in jeder der monatlichen Batman-Ausgaben ein anderer Schurke seine Todesversion des dunklen Ritters zum besten geben durfte. Dass Batman nicht wirklich stirbt, war jedem von Anfang an klar, deswegen zielte der Gag wohl nur auf neugierige Käufer ab.
Ob DCD die schrullige US-Detective Comics-Version in einigen Monaten (in der Paperback-Serie) unterbringen wird ist fraglich, doch immerhin hatte Greg Rucka dort eine vielschichtige Erzählweise an den Tag gelegt.

Brubaker dagegen hat es für seinen Teil leider nur bedingt geschafft, die lahme Grundidee zünden zu lassen. Zunächst bekommen wir seitenlange Actionszenen vorgesetzt, die man in ähnlicher Form schon tausendmal gesehen hat. Eine Verfolgungsjagd, und eine durchschnittliche Schlägerei, das reißt keinen mehr vom Hocker.
Dass der Pinguin nach Batman auch noch dessen alter Ego Bruce Wayne umbringt, ist natürlich ein witziger Einfall, und spätestens an dieser Stelle wird auch alles klar. Schade, dass für die Auflösung das ausgelutschteste Klischee überhaupt heran gezogen wurde, einen "Tagtraum" als Plot für ein komplettes Heft herbeizuzerren (und ihn auf 22 Seiten aufzublasen), ist wirklich nicht besonders originell. Letzten Endes wurde man zwar irgendwie schon unterhalten, aber eigentlich war alles völlig sinnlos. Der feierliche Monolog des Pinguins zum Schluss, seine Forderung nach einer gerechteren Welt für ihn, soll dem ganzen wohl noch etwas Größe, oder Oswald Cobblepot charakterliche Tiefe verleihen. Doch die Wirkung verpufft völlig, nach zwanzig Seiten gegenstandloser Unterhaltung hielt sich mein Mitgefühl für ihn zu sehr in Grenzen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. So bleiben eigentlich nur Scott McDaniels Zeichnungen, die die erfundenen Actionszenen aufwerten und zu einem hübschen Anblick machen.

Us-Gotham Knights 12 Barbara Gordon und ihre traurige Vergangenheit dienten schon oft als Aufhänger neuer Geschichten, auch die Zweitstory dieser Ausgabe verwertet im Grunde nur ihr Joker-Trauma weiter. Es fällt doch auf, dass Christian Grass im Vorwort ausdrücklich darauf hingewiesen hat, man möge die Geschichte keinesfalls "als Lückenfüller" ansehen. Dadurch habe ich natürlich erst darauf geachtet, und es stellt sich unweigerlich die Frage "als was dann?!?"
Natürlich ist es nicht fair, eine Solostory mit Alan Moores literarischem Meisterwerk The killing Joke (auf deutsch: Lächeln bitte) zu vergleichen, aber warum müssen Autoren denn auch immer auf die Leistungen anderer zurückgreifen? Durch die ganze Geschichte hindurch ziehen sich Rückblenden auf jene Joker-Story, doch die Verbindung wirkt zu konstruiert. Ein Verrückter greift Behinderte an, weil er es leid ist, dass sie sich über ihr Schicksal beschweren. Barbara Gordon wurde angeschossen, weil der Joker sie als Mittel benutzt hat, ihren Vater von der Sinnlosigkeit des rationalen Denkens zu überzeugen.
Wenn es irgendwelche Parallelen gibt, sind sie ziemlich aus der Luft gegriffen, und sollen nur eine mittelmäßige Kriminalgeschichte aufwerten.

Die eigentliche Story ist nämlich alles andere als schlüssig, und am Ende bleibt doch ein unangenehmer Nachgeschmack. Die Motivationen des Täters sind ebenso wenig nachvollziehbar wie seine Vorgehensweise. Man erteilt "jammernden Behinderten" also eine Lektion, indem man sie im Vorbeigehen umschubst und ihnen hundert Dollar wegnimmt? Und ausgerechnet bei Barbara Gordon taucht er mit Schimaske in ihrem Appartement auf, um sie...hm? Ja, was eigentlich? Zudem wirkt es nicht gerade glaubwürdig, dass für eine offensichtlich "unbedeutende Serie von Kleinverbrechen" ein derart gewaltiges Medienspektakel inszeniert wird, und, und, und...

Auch der Gastzeichner Coy Turnbull kann ganz und gar nicht überzeugen. Seine Figuren wechseln unmotiviert ihr Aussehen, der Täter mausert sich von einem dürren Einbracher zu einem zweiten Hulk, und überhaupt sind Perspektiven und Größenverhältnisse oftmals einfach grauenvoll. Zudem ist es geradezu eine Beleidigung, Brian Bollands gewaltige Momente aus Killing Joke in Turnbulls farbenfrohem Stil sehen zu müssen.

Fazit:
Schade, nach ein paar wirklich überdurchschnittlichen Ausgaben gibt es einen echten Hänger. Richtig schlecht sind die beiden Stories zwar nicht, aber für eine bessere Einschätzung als "Lückenfüller" langt es doch einfach nicht. Die erste Geschichte ist völlig belanglos, die zweite reichlich unprofessionell. Wer sich diese Ausgabe nicht kauft, hat absolut nichts verpasst. Im nächsten Monat folgt dafür mit dem Auftakt zu Officer Down ein echtes Highlight...


Lukas 'Ruppoman' Wilde


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