Autor:
Larry Hama
Zeichner:
Scott McDaniel
Preis: 7,95 DM
Erscheinungsdatum: 18.10.2001
Inhalt:
Us-Batman 579-580
Bruce Wayne besucht einen Empfang der reichen Camille Baden-Smythe auf ihrer Jacht im Gothamer Hafen. Die Gastgeberin versucht sich sofort an Bruce heranzumachen, während des Gesprächs stellt sich allerdings heraus, dass sie eine menschenverachtende Leuteschinderin ist, die ihr Vermögen auf dem Rücken des "Pöbel" aufgebaut hat. Gerade als sie Bruce ihre Flamme von Persien zeigt, ein sechs Millionen wertvolles Juwel, entert eine groteske Fischgestalt die Jacht und entreißt der Millionärin ihr Schmuckstück. Die Diebin stellt sich als Orca vor, schaltet die Sicherheitsleute aus und verschwindet mit ihrer Beute im Hafenbecken.
Batman nimmt sich dem Fall an, obwohl Baden-Smythe ihn vor der Presse als ihren persönlichen Freund darstellt, der die Unfähigkeit der Polizei wiedergutmachen werde. Hafenarbeiter, die von der Millionärin ausgebeutet werden, sind deswegen nicht gut auf Batman zu sprechen, als er das lokale Aquarium aufsucht. Die Leiterin, Dr. Grace Balin, eine querschnittsgelähmte Aufsteigerin aus einer Arbeiterfamilie, kennt sich gut mit Orca-Walen aus und erzählt Batman einige Fakten über die Meeressäuger.
In der Zwischenzeit versucht ein Freund Orcas die Flamme von Persien an einen Hehler zu verkaufen. Doch es kommt zu Unstimmigkeiten bezüglich des Preises, Batman kann nicht mehr verhindern, dass der Unterhändler angeschossen wird, der Mörder flieht ins Freie. Dort erwartet ihn schon Orca, die sich den Stein schnappt und den Hehler töten will. Es kommt zu einem Kampf mit Batman, letztendlich kann der Mörder vor dem Zorn der Fischfrau gerettet werden, doch Orca entkommt mit dem Juwel. Zuletzt taucht der sterbende Unterhändler auf, der Batman in seinen letzten Atemzügen verrät, dass Orca den Stein verkaufen wollte, um das Geld für Wohltätige Zwecke zu verwenden.
Batman begibt sich zurück in Dr. Balins Aquarium, da er die Wissenschaftlerin verdächtigt, mit Orca in Verbindung zu stehen. Tatsächlich findet er die Fischfrau dort vor, erneut kommt es zu einem Gefecht. Doch da Orca dringend Wasser benötigt flieht sie, es bleibt offen, was der verschwundenen Dr. Balin zugestoßen ist.
Inzwischen stellt sich heraus, dass Baden-Smythe auf das Gothamer Aquarium scharf ist, doch Dr. Balins Weigerung auszuziehen steht ihren Plänen im Wege. Also erpresst sie einen kleinen Jungen, später eine Brandbombe in das Aquarium zu werfen.
Bruce Wayne schleicht sich derweil als Obdachloser verkleidet in die Armenküche ein und findet dort Dr. Balin wieder. Sie ist im Besitz des Juwels, scheint also mit Orca in enger Verbindung zu stehen. Um für den Stein einen guten Preis zu erzielen, plant sie, es Baden-Smythe zurückzuverkaufen. Beim Herausgehen kann Bruce den kleinen Jungen davon abhalten, das Aquarium hochzujagen, er verspricht ihm, alles werde gut werden.
Orca taucht tatsächlich auf Baden-Smythes Jacht auf, greift die Sicherheitsleute an und verlangt die Besitzerin zu sprechen. Sie will ihr die Flamme von Persien für sechs Millionen zurückverkaufen. Doch auch Batman ist zur Stelle, in einem brandneuen Land/Wasserkostüm stellt er sich Orca.
Kommentar:
Wo soll man anfangen? An Larry Hamas fehlendes Verständnis für die Hauptfigur hat man sich im Laufe der letzten Monaten ja fast gewöhnt, auch diese Story ist keine Ausnahme. Batman wird wie selbstverständlich in der Presse genannt, unterhält sich ganz ungezwungen mit Zivilpersonen und jagt Gaunern schon lange keine Angst mehr ein, soweit also nichts neues. Nach den extrem geradlinigen Actionhandlungen der letzten Ausgaben wollte Herr Hama nun wohl zeigen, dass er auch verzwickte Plots mit vielen Charakteren und noch mehr Verstrickungen entwerfen kann. Ein lobenswerter Vorsatz, leider geht das ganze ziemlich daneben.
Zuerst einmal Orca. Okay, Schurken müssen nicht immer einsneunzig, männlich und machthungrig sein, aber so ganz ernst nehmen kann man die Dame nun wirklich auch nicht. Aber gut, das ist wohl Geschmackssache. Ihre Motivationen sind erfrischend ungewöhnlich, sie will eigentlich nur gutes tun, indem sie eine reiche Leuteschinderin beraubt, um den Armen zu geben. Dass dies nicht ganz unbedenklich oder gar legal ist, versteht sich von selbst, dennoch sind mir Batmans Motive schleierhaft. In der Zeit, in der er verbissen nach Orca fahndet, hätte er sich anderswo in der Stadt unzähligen Überfällen, Unglücken oder -ganz generell- lebensbedrohenden Situationen annehmen können, stattdessen jagt er einer gewöhnlichen Diebin hinterher. Um noch einen draufzusetzen, quält die Eigentümerin der Beute zur selben Zeit Unschuldige und stiftet einen Jungen zu Vandalismus, vielleicht sogar Mord an. Und Batman jagt eine Diebin.
Die Verbindungen zwischen den Charakteren wirken übrigens auch arg konstruiert. Dr. Balin scheint nun ja tatsächlich etwas mit Orca zu tun zu haben (oder sogar diese zu sein), doch Batman vermutete das bereits zu einem Zeitpunkt, wo es keinerlei Anhaltspunkte dafür gab. Die Wissenschaftlerin hatte lediglich kein Alibi und kennt sich gut mit Walen aus, außerdem harmoniert ihr Gemeinempfinden mit dem Orcas, aber das war's such schon. Und als er Dr. Balin daraufhin aufsucht, findet er dort zufälligerweise wieder Orca vor, es kommt zu einem weiteren, sinnlosen Kampf.
Dass dann neben der Beziehung Orcas zu Baden-Smythe (über das gestohlene Juwel) noch eine weitere Verbindung zwischen den drei zentralen Personen gesponnen wird (nämlich, dass die Millionärin scharf auf Dr. Balins Aquarium ist), ist wohl doch zuviel des Guten. Vielleicht kommt in der nächsten Ausgabe noch etwas Licht in dieses dunkel, nach dem bisherigen Kenntnisstand ist das einfach alles nicht besonders glaubwürdig.
Zeichner McDaniel scheint immer mehr in seine Rolle als Batman-Künstler hineinzuwachsen, die scharfen Kontraste passen immer besser zu Gotham, und auch an die Proportionen Batmans hat man sich langsam gewöhnt. Vielleicht könnte er sich doch noch als Glücksfall entpuppen, wenn man ihm einmal ordentliche Scripts vorlegt.
Fazit:
Auch wenn die Orca-Geschichte sich um ein Vielfaches spannender liest, als alles andere, was es hier bislang von Hama gab, es springt einfach kein Funke über. Die Charaktere sind überzeichnet, in Orcas Fall sogar leicht lächerlich, der Plot ist teilweise kaum nachzuvollziehen, Batmans Handlungsweisen überhaupt nicht. Natürlich lässt sich die ganze Story erst nach Abschluss in der nächsten Ausgabe beurteilen, ich freue mich dann allerdings eher darauf, dass dies gleichzeitig Hamas letzte Batman-Story sein wird. Doch wie gesagt, als Einzelheft gab es schon schlimmeres zu lesen.
Lukas 'Ruppoman' Wilde