Autorin:
Devin Grayson
Zeichner:
Dale Eaglesham, Paul Ryan
Preis: 7,95 DM
Erscheinungsdatum: 20. 09. 2001
Inhalt:
US-Gotham Knights 5
Der Key ist wieder da. Seit seinem ersten und gleichzeitig letzten Post-Crisis-Auftritt in JLA #8-9 hat der Befreiungskünstler jedoch dazugelernt. Anstatt nach ultimativer Macht zu streben, versucht er nun, Batman an seinen frischgewonnenen Erkenntnissen über das Wesen des Universums teilhaben zu lassen, auf die er bei der Flucht aus dem "Gedanken-Gefängnis" des Martian Manhunter gestoßen ist.
Dazu versiegelt er jede einzelne Tür des Arkham Asylums und verwickelt Batman auf dem Dach der Anstalt in einen Kampf mit seinen Keyman-Robotern, wobei er unaufhörlich auf den dunklen Ritter einredet. Gerade als Batman den letzten Roboter ausschaltet, erscheinen Batgirl und Azrael, doch Batman trägt den beiden auf, sich nicht um ihn, sondern um die eingekerkerten Arkham-Insassen zu kümmern.
Da er auf die Provokationen des Keys jedoch plötzlich mit ungewohnter Brutalität reagiert, entschließen sich sich seine Gehilfen eines Besseren und müssen Batman erst einmal davon abhalten, den Verbrecher halb tot zu prügeln. Völlig außer sich greift Batman erst Azrael und Batgirl an, verschwindet dann jedoch in die Stadt, wo er mit äußerster Härte Verbrecher zusammenschlägt und einen Drogendealer beinahe in den Tod stürzt, hätte Batgirl ihn nicht aufgefangen.
Der Key liegt indessen unter Aufsicht Robins im Krankenzimmer von Arkham und erzählt von seinen wahren Absichten. Er hat Batman Halluzinogene verabreicht, die seine animalischen Instinkte wecken sollen. Zu spät merkt Robin, dass er auch etwas davon abbekommen hat, bei ihm bewirken die Drogen jedoch absolute Handlungsunfähigkeit. Der Key prahlt mit seinem wahren Ziel, die finale Grenze zum Tod zu überschreiten, indem ihn Batman selbst umbringt.
Und wirklich bricht dieser in die Anstalt ein, voller Wut über seinen Zustand und die Machenschaften des Verbrechers. Azrael will Batman daran hindern, ihn zu töten, doch alleine hat er keine Chance. Batman selbst ist es schließlich, der sich vom Einfluss der Halluzinogene befreit, indem er sich an die Lehren seines Vaters und dessen Wertschätzung jeglichen Lebens erinnert. Der Key will sich selbst töten, doch der dunkle Ritter überzeugt ihn davon, dass es eine viel größere Herausforderung sei, selbst ein Gefängnis zu entwickeln, aus dem er sich nicht mehr befreien könnte.
US-Gotham Knights 6
Bei einem gesellschaftlichen Treffen Bruce Waynes in einem Gothamer Club prahlt Stadtrat Waldemar mit seinem Händchen für lukrative Geschäfte. Er deutet an, dass er in der Zeit vor dem Niemandsland die Gelegenheit hatte, als Freiwilliger des Gesundheitsamtes ein völlig neues und wertvolles Medikament an den Meistbietenden zu verkaufen, anstatt es im Krankenhaus abzuliefern. So machte er im Handumdrehen ein Vermögen, die Schließfächer mit den einzigen Beweisen für diesen Betrug wurden zudem während des Erdbebens begraben.
Natürlich macht sich Batman sofort auf die Suche nach den Dokumenten und findet mit Orakels Hilfe schnell den Tresor. Doch Plünderer waren offenbar schneller, die Schließfächer sind schon lange leer. Als Orakel die Nummern der Fächer hört, fällt ihr etwas ein, sie fragt Batman nach dem Zustand eines der Tresorräume, doch auch dieser ist leer. Batman forscht nach und findet heraus, dass das Schließfach Orakel alias Barbara Gordon gehörte. Über den Pinguin stößt der Dunkle Ritter auf einen Kleinkriminellen, der viele gestohlene Dokumente zu Geld machen wollte. Darunter befinden sich nicht nur die belastenden Papiere des Stadtrats, sondern auch ein handgeschriebener Brief, adressiert an James Gordon.
Batman bringt ihn Barbara zurück, die ihn im Gegenzug über den Ursprung und Inhalt des Briefes aufklärt. Der Brief stammte von ihrer Mutter und deutet an, dass James Gordon eventuell Barbaras leiblicher Vater sein könnte. Sie erklärt Batman, was das für sie bedeute, und dass sie Angst davor habe, die Wahrheit herauszufinden. Batman hält ihr vor, als ihr Adoptivvater hätte James das Recht, von dieser Möglichkeit zu erfahren, doch Barbara kann sich nicht zu einem solchen Gespräch entschließen. Als James kurz darauf jedoch bei ihr vorbeischaut und sie zu einer Pizza einlädt, sagt sie sofort zu und freut sich auf den gemeinsamen Abend.
Kommentar:
Seit einigen Monaten ist Batman nun schon wieder an den deutschen Kiosken anzutreffen, die euphorische Anfangsbegeisterung ist mittlerweile einer nüchteren Routine gewichen. Auch für Autorin Devin Grayson hieß es, einen klaren Kurs zu finden, nachdem der fulminante Start der Gotham Knights-Serie hinter ihr lag und die Batman-Fans weiterhin monatlich nach neuen Abenteuern lechzten. Ob sie diesen Kurs jedoch schon entdeckt hatte, als die hier veröffentlichten Geschichten entstanden sind, darf man dezent anzweifeln. Doch fangen wir ganz von vorne an.
Der Key ist sicherlich ein interessanter Charakter, allein seine undurchschaubaren Motivationen unterscheiden ihn grundlegend vom durchschnittlichen Comicschurken. Die erste Story ist also auf jeden Fall schon mal äußerst lesenswert und spannend, könnte man sagen... Ganz so einfach ist es aber natürlich nicht.
Wenn man ein wenig über die Geschichte nachdenkt, bleibt die Frage eigentlich nach wie vor unbeantwortet, was zum Henker der Kerl nun eigentlich wollte. Zuerst tötet er um ein Haar sämtliche Insassen Arkhams, dann will er Batman erleuchten und macht ihn gleichzeitig zum Killer, damit dieser ihn selbst tötet, letztens Endes sorgt er schließlich für sein eigenes Gefängnis. Natürlich ist das eine ziemlich unfaire Vereinfachung, grundsätzlich logischer verhält der Key sich aber tatsächlich nicht. Doch auch Batmans Handlungsweisen sind nicht immer ganz nachvollziehbar. Nachdem er den Key durch Batgirls und Azraels Intervention nicht töten konnte, dreht er eine unmotivierte Runde durch Gotham, nur um doch wieder beim Key zu landen. Sollte die Autorin beim Formulieren der hochtrabenden Erkenntnisse von Bösewicht und Erzähler etwa ein klares Handlungskonzept vernachlässigt haben?
Stichwort Erzähler: Während man es dem Key als verwirrt-erleuchtetem Psychopathen noch verzeihen kann, dass er fortwährend auf Batman und somit die hilflose Leserschaft einredet, die Monologe des unbekannten Erzählers werden langsam aber sicher störend. Gleichzeitig von ihm und dem Key um die Wette mit Formulierungen und Fremdwörtern bombardiert zu werden, die selbst den guten Immanuel Kant in den Wahnsinn getrieben hätten, ist doch etwas zuviel des Guten. Ein nicht unwesentlicher Teil dazu trägt natürlich der reiche Wortschatz unseres Übersetzers Steve Kups bei, dank dem auch deutschen Lesern keine Kopfschmerzen erspart bleiben.
Eigentlich stellt sich mir nur noch die Frage, worum es in dieser Geschichte eigentlich ging. Zum Schluss waren alle wieder da, wo sie am Anfang standen, bereichert durch eine wahre Flut von Erkenntnissen über Batmans Psyche und überhaupt.
Zweite Runde, zur Abwechslung hat Devin Grayson eine sehr emotionale Geschichte ohne viel Action oder Krawall auf die Beine gestellt. Die wirklich gelungene Basis um den korrupten Stadtrat und die verschütteten Dokumente gerät völlig in den Hintergrund, als Orakels verloren geglaubter Brief auftaucht.
Barbara könnte also Jim Gordons leibliche Tochter sein. Hmm, zu weit hergeholt ist das eigentlich nicht, tatsächlich wirkt die ganze Geschichte nicht mal unglaubwürdig. Ob man die Idee nun deswegen als ein erzählerisches Meisterwerk oder doch eher eine kitschige Seifenoper ansieht, ist wohl jedem selbst überlassen, eine andere Überlegung scheint mir da viel wichtiger: Wenn wir mal ehrlich sind, wie dramatisch ist das Ganze denn eigentlich tatsächlich? Ich muss zugeben, vorher hätte ich nicht einmal sicher sagen können, dass Barbara "nur" ein Adoptivkind ist, und ihr Verhältnis zu Jim ist doch eh schon lange das von Vater und Tochter. So erschütternd ist das einzige Thema der letzten sieben Seiten also nicht, wobei man Devin Grayson natürlich zugestehen muss, ein gutes Gespür für ihre Figuren zu besitzen. Dennoch fehlt dem Finale irgendwie die Spannung, am interessantesten ist noch Barbaras Vergleich mit Bruce' Verhältnis zu Dick Grayson.
Zu den Zeichnern gibt es nicht viel Neues zu sagen, Eaglesham und Ryan glänzen auch hier wieder mit detailreichen, wenn auch wenig dramatischen Arbeiten. Die bleiche Kolorierung kennen wir ja nun auch schon, wer den Retro-Look mag, wird zufrieden sein, alle anderen müssen sich eben damit zufrieden geben.
Fazit:
Devin Grayson hat zweifellos schon viele moderne Batman-Klassiker geschrieben und besitzt großes Gespür und Liebe für ihre Figuren. Sie will die Comicwelt offenbar mit aller Gewalt vom Image der klischeehaften "Päng! Zack!"-Dialoge befreien und entfesselt eine Lawine an beinahe wissenschaftlichen Erörterungen. Dass sie dabei das eine oder andere Mal gehörig übers Ziel hinausschießt, ist wohl die Kehrseite der Medaille. Nach dem seltsamen Samsara-Zweiteiler vor drei Monaten scheinen auch diese beiden Stories eher einer Experimentierphase entsprungen zu sein. Insgesamt haben wir also viele gute Ideen, die nicht so richtig miteinander harmonieren. Wer die US-Ausgaben kennt, weiß aber, dass man die Hoffnung noch nicht so schnell aufgeben sollte.
Lukas 'Ruppoman' Wilde