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Batman #4


Batman #4 Autor:
Larry Hama

Zeichner:
Scott McDaniel

Preis: 7,95 DM
Erscheinungsdatum: 23. 08. 2001




Inhalt:
US-Batman 577
In der ersten Story muss sich Batman um persönliche Angelegenheiten kümmern, da Ratten die Bathöhle überfluten, die nicht nur Alfred ein Gräuel sind. Die lästigen Nagetiere lösen andauernd der Infrarotalarm aus, was wiederum Bruce Wayne zwingt, wichtige Alarmsysteme abzuschalten und so Wayne Manor samt Bathöhle einem großen Risiko auszusetzen. Auf der Suche nach dem Ursprung des Rattenproblems steigt Batman in die Gothamer Kanalisation unter der Höhle, um eventuelle undichte Stellen zu versiegeln. Dabei stößt er auf riesige, echsenartige Fußspuren, die ihn unversehens zu einer jungen Frau namens Allie führen. Sie scheint alleine in der Kanalisation zu leben, begleitet und umringt von zahlreichen großen und kleinen Alligatoren.
In der Zwischenzeit bringt ein Gaunertrio unter der Leitung der Einbrecherin Ruby in einem anderen Teil des Abwassersystems Sprengladungen an den Wänden an, um auf diesem Weg nach Wayne Manor zu gelangen. Die Ratten wurden von Ruby ausgesetzt, ganz nach ihrem Plan musste wegen häufigen Fehlalarms das Sicherheitssystems abgeschaltet werden.
Batman muß inzwischen feststellen, dass Allie keinen Wert auf Gesellschaft legt. Sie will ihre Alligatoren auf ihn hetzen, als Rubys Sprengladungen hochgehen und eine gewaltige Explosion auslösen. Batman kann sich selbst - und einen kleinen Alligator - gerade noch von einem herabstürzenden Felsen retten, was Allie dazu bewegt, ihm künftig zu vertrauen.
Sie erzählt ihm, dass sie ein Waisenkind ist und an grausame Pflegeeltern übergeben wurde, die die Kinder oft quälten. Erst in dem kleinen Alligator Mike fand Allie einen Freund, doch der Pflegevater Lester spülte ihn aus purer Bosheit die Toilette hinunter. Da riss das Mädchen aus und folgte ihrem Freund in die Kanalisation, wo sie seither lebt.
Derweil haben sich die drei Einbrecher Zutritt zur Bathöhle verschafft und lüften so Batmans Geheimnis. Sie schlagen Alfred nieder, Ruby überlässt ihn ihren beiden Handlangern und holt sich ein Souvenir aus dem Trophäenraum -als Beweis, dass sie tstsächlich in der Bathöhle war. Gemeinsam sucht das Trio das Weite, bis Ruby erfährt, dass ihre trotteligen Kollegen Alfred gar nicht getötet haben. In einem Wutanfall erschießt sie die beiden und stürmt alleine davon. Dabei läuft sie direkt Allie in die Arme, die ihren - mittlerweile riesigen - Alligator Mike auf Ruby loslässt. Batman hört gerade noch ihre letzten Schreie, klettert aus der Kanalisation und erklärt Alfred, er brauche sich keine Sorgen mehr zu machen.
In einem kurzen Epilog stattet Sergeant Bullock Lester einen Besuch ab, um mit ihm über sein Verhalten gegenüber zu seinen Pflegekindern zu sprechen.

US-Batman 578
Adrian Lupus betrachtet sich selbst als Künstler. Seine Kunst besteht darin, jungen Frauen das Gesicht mit einem schweren Hammer zu entstellen. Er ist ein Psychopath, der in seiner eigenen Traumwelt lebt und die Realität nur noch verzerrt wahrnimmt. Doch er versteht sein "Handwerk" und ist ein Meister seiner eigenen "Kunst" geworden. Wenn er nachts mit seiner Arbeit beginnt und sich ein Opfer sucht, weiß er genau, welchen Weg er einschlagen muss, um Batman aus dem Weg gehen und unbehelligt seiner "Kunst" frönen zu können.
Lupus schleicht sich in ein Bürogebäude ein, das gerade schließt. Mit größter Präzision weicht er den Wachleuten aus und sucht sich ein Opfer in einem der oberen Stockwerke. Als er schließlich in einem der Räume eine Frau entdeckt, gerät er in Ekstase. Im Glauben, von den Musen berührt zu sein, beinahe zum Gott zu werden, greift er zu seinem Hammer und schlägt nach der Frau. Zwar trifft er nur die Milchpackung, die sie in der Hand hielt, doch in seiner Phantasie richtet er ein Blutbad an.
Doch plötzlich entdeckt er einen Schatten. Den Schatten der Fledermaus, den Schatten des "Schleichers". In Panik flieht er aus dem Zimmer, in Wirklichkeit stand nur eine harmlose Katze vor der Lampe. Überall, wohin Adrian Lupus nun kommt, begegnet er dem "Schleicher". Ein wehender Vorhang wird zu seinem Cape, ein Bild an der Wand wird zu seinem grässlichen Gesicht, zum Schluss stürzt sich Adrian Lupus auf sein eigenes Spiegelbild in der Fensterscheibe. Die Scheibe zerbricht, der selbsternannte Künstler stürzt aus dem Gebäude in die Tiefe, kann sich aber gerade noch an einen Vorsprung klammern. Noch einmal sieht er das Abbild Batmans, eigentlich nur eine Putzfrau, die ihm hereinhelfen will. Doch Lupus lässt los, er stürzt in die Tiefe, im Wissen, dem "Schleicher" entkommen zu sein, "Kunst" für die Ewigkeit hinterlassen zu haben.
Er landet in einem Mülltransporter, der sich auf dem Weg zur Verbrennensanlage befindet. Seinen Hammer schleudert er hinaus in die Nacht, der Welt als Zeichen.
Der Hammer landet auf der Straße, ein Wagen muss anhalten. Es ist das Batmobil, Batman steigt aus. Er nimmt den Hammer auf, betrachtet ihn kurz, wirft ihn schließlich in einen Abfalleimer und fährt davon.



Kommentar:
Lary Hama, zweite Runde, los geht's!
Beginnen wir mit der ersten Story. Die Geschichte um das Mädchen in der Kanalisation und den Einbruch in die Bathöhle ist gar nicht mal übel und liest sich schon deutlich abwechslungsreicher als die linearen Actionstories der letzten Ausgabe. Allie und ihre Kroko-Freunde sind ein wirklich hübscher Einfall, da könnte man durchaus noch mehr draus machen.
Natürlich fehlt von Realitätsnähe wieder jede Spur, wenn man die PKW-ähnlichen Ausmaße des Alligators Mike nicht auf eine "Mutagen"-Kur von Shredder in der Kanalisation nebenan schieben will; doch lassen wir das... Lary Hama nimmt es mit der Wirklichkeit eben nicht so genau.
Spannender ist da die Geschichte mit den drei Einbrechern, die unbeabsichtigt das Geheimnis Batmans lüften. Sicher, es war klar, dass sie damit nicht davonkommen würden, dennoch stellt eine solche Situation eine viel größere Bedrohung dar als etwa ein Angriff auf Batmans Leben. Schade, dass sich der Autor sich da etwas billig herausgemogelt hat, hätte Ruby ihre beiden Mitwisser denn wirklich gleich umbringen müssen?
Doch diese kleine Enttäuschung ist angesichts der Umstände von Rubys eigenem Tod eh unbedeutend. Um es noch mal ausdrücklich zu sagen: Batman lässt eine Einbrecherin von einem Alligator zerfleischen und klettert dabei seelenruhig davon. Bereits im letzten Heft war es bestenfalls fragwürdig, dass Batman zum Schutz seines eigenen Lebens den Tod seiner Rivalen in Kauf nimmt, doch hier war das schlicht und einfach unterlassene Hilfeleistung, er hätte sie ebenso gut selbst töten können! Tut mir leid, aber das wäre schon bei anderen DC-Heroen kaum zu akzeptieren, bei Batman ist ein solch fahrlässiges Verhalten ein Ding der Unmöglichkeit.

US-Batman #578Und nun zur zweiten Story, und da wird es wirklich kompliziert. Das simple Bild von Larry Hama als mittelmäßigem Action-Autoren scheint auf einmal völlig zusammenzubrechen, denn die alptraumhafte Reise ins Hirn eines Serienmörders hat so gut wie gar nichts mit Action oder simplen Erzählstrukturen zu tun.
Die komplette Handlung wird, abgesehen von den letzten beiden Seiten, aus der Perspektive von Adrian Lupus und seiner verqueren Denkweise erzählt. Dabei meistert Hama tatsächlich den schwierigen Spagat zwischen Lupus' groteskem Weltbild und der Gefahr, ins Lächerliche abzudriften. Liegt es nun an der ausgezeichneten deutschen Übersetzung, oder sind die Monologe geradezu brillant gestrickt und kunstfertig in Worte gekleidet? Der Blick in die Denkweise eines offensichtlich Verrückten ist auf jeden Fall gut gelungen, die ironischen Bemerkungen des Erzählers bringen einem die Figur wirklich bedrohlich nahe und wirken gleichzeitig amüsant: "So weise und erfahren ist Adrian Lupus, dass er seine Begabung zur Kunst erhob." Wirklich hervorragend!
Gleichzeitig vermittelt die Geschichte ganz gut, wie der Mythos Batman sich auf die Elemente der Unterwelt auswirkt. Sie wissen, dass er da ist, haben aber nur eine verzerrte Vorstellung von ihm und fürchten ihn als ständige, kaum fassbare Bedrohung - und das alles nun von Lary Hama!
Wahre Kunst, so der Titel der Geschichte, mag keine besonders gute Batman-Story sein, und eigentlich ist sie auch nicht besonders spannend, doch das Experiment, den Lesern Einblicke in die verquerte Welt eines Kriminellen zu gewähren, ist überaus gelungen, beinahe schon beklemmend nachvollziehbar.

An diesem Punkt sei noch mal hervorragende Eindeutschung durch Steve Kups erwähnt, der sich nach den wortkargen Stories der letzten Ausgabe mal richtig in verzwickten Formulierungen austoben durfte.

Über Scott McDaniels Zeichnungen gibt es nicht viel Neues zu sagen, außer dass Batman von Heft zu Heft kleinwüchsiger zu werden scheint. Davon abgesehen liefert der Meister der Dynamik auch diesmal wunderbare, kontrastreiche Zeichnungen ab, in der zweiten Story kommen sogar noch einige Facetten dazu: Die Traumwelt des Adrian Lupus unterscheidet sich auch graphisch recht drastisch von der Realität und erreicht in ihrem Surrealismus beinahe schon das Niveau eines Kelley Jones. Ob einem dies nun gefällt oder nicht, in einer Traumwelt sind solche Schreckensvisionen in jedem Fall gut aufgehoben, Scott McDaniel hat wirklich ganze Arbeit geleistet.



Fazit:
Fassen wir nochmal zusammen: Viel Action, interessante Charaktere und ein völlig deplatzierter Batman in der ersten Story, eine ziemlich abgedrehte, wenn auch - auf merkwürdige Weise - überaus faszinierende Handlung in der zweiten. Larry Hama ist wohl doch noch für Überraschungen gut und sicher keinesfalls ein schlechter Autor. Was man dagegen leider behaupten kann und muss, ist, dass er in der Batman-Serie völlig falsch aufgehoben ist. Guter Wille hin oder her, seine Interpretation des dunklen Ritters hat immer weniger mit dem Batman zu tun, den seine Fans seit Jahren kennen. Sieht man von diesem schwerwiegenden Manko ab, ein ziemlich interessantes Heft, das aber viele Fans enttäuschen wird.


Lukas 'Ruppoman' Wilde


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