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DC Archiv 12: Batman V
Preis: EUR 45,95
236 Seiten
So ist es auf der Splashpage zu Detective Comics #111, Mai 1946, zu lesen. Auf den ersten Blick ist Coaltown eine Idylle. Eine Schule, die von der Lehrerin Emma Dodd seit nunmehr 40 Jahren streng aber gerecht geleitet wird, eine Kohlenmine, die den Vätern und Söhnen Arbeit und Brot gibt, und die Familien sind noch intakt. Aber in diese heile Welt bricht eine Katastrophe herein. Ein Stollen ist eingestürzt, und viele Arbeiter müssen ihr Leben lassen.
Die Mine gehört Julius Reed, einem scheinbar skrupellosen Geschäftsmann, der für den eigenen Profit auch über Leichen geht.
Schnell stellt sich heraus, dass die Mine in einem äußerst schlechten Zustand ist - Belüftungssysteme und Sicherheitsanlagen sind nicht vorhanden. Für die Katastrophe mit den vielen Opfern an Menschenleben hat sich Julius Reed zu verantworten -so stellen die Bewohner der Stadt, und Todd Reed, der Sohn des Minenbesitzers, fest. Doch dieser sieht nur die Kosten und wiegelt dies ab. Die Bewohner organisieren eine Demonstration, doch werden sie vom Werksschutz mit brutalen Mitteln vertrieben.
Dieser Archiv-Band 12 enthält die Batman-Abenteuer der US-Detective-Comics #103 -119, aus der Zeit von September 1945 bis Januar 1947. Das recht knappe Vorwort von "Batmans Bruder" Dennis O'Neil stellt einige provokante Fragen zu den Geschichten und der Zeit, in denen sie spielen. Und gibt kurz wieder, wie der "Zeitgeist" damals wohl gewesen sein könnte. Und stellt fast lakonisch fest, dass weder Batman etwas mit dem einsamen Rächer, noch Bruce Wayne mit dem mondänen Partylöwen gemein hatten. Batman ist ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft. Er stellt die Regierung, die obersten Autoritäten, in keinster Weise in Frage. Er hat Vorbildfunktion, und so sollen auch alle Amerikaner treu und ohne Kritik zusammenstehen, und die Gesellschaftsordnung akzeptieren. Das war jetzt wichtig nach dem Krieg.
Die Zeiten hatten sich gewandelt und mit ihnen auch das Erscheinungsbild Batmans: "Der 'Bat-Man', eine mysteriöse und abenteuerliche Figur, die für Rechtschaffenheit und die Ergreifung von Übeltätern kämpft, in einem einsamen Kampf gegen die bösen Mächte der Gesellschaft ... seine Identität bleibt unbekannt."
In seiner ersten Verkörperung wurde "The Bat-Man", kreiert von Bob Kane mit Unterstützung von Bill Finger, ganz als Vigilant beschrieben. Warum auch nicht, er war die Reflektion einer gewalttätigen Zeit: Und nun, 1945, waren sie vorbei, die Zeiten, in denen Batman als dunkler Rächer dargestellt wurde. Längst war er zum Allgemeingut aller Amerikaner geworden. Man kannte ihn sowohl aus dem Radio, als auch von den Unterhaltungsseiten der Zeitungen. Batman und Robin erhielten ihren eigenen täglichen Strip in den Zeitungen 1943. (die Strips von 1943/1944 sind 1986 auf deutsch bei Feest erschienen) Batman war ein Star und omnipräsent: Er flimmerte auch in den Seriels auf den Kinoleinwänden.
Ein weiterer Umstand, der Batmans Popularität nützte, war der Krieg. Bis 1942 wurden die meisten Comic-Charaktere als Propaganda-Mittel eingesetzt. Ihre Stories schilderten die Achse (Berlin-Rom-Tokio) als böse und grausame Monster. Batman war da keine Ausnahme, als er auf dem Cover von Batman #12 und #17 mit Kriegsanleihen hausieren ging, oder Gewehre an GIs auf dem Cover von Batman #30 austeilt.
Batmans und Robins Fähigkeiten, Verbrechen zu lösen, bezogen sich nicht exklusiv auf Gotham City. Jetzt war Batman in Amerika so berühmt geworden, dass seine Leistungen im Kampf gegen das Verbrechen ein nationales Phänomen wurden. Seine Taten brachten ihn in alle Teile des Landes. Die Stories sind eine bunte Ansammlung von Detektivgeschichten, und die Schwindler, Betrüger und Räuber, die diese Seiten bevölkern, sind eher harmloser Natur. Der Joker hat zwar drei Auftritte (#109, #114, #118), aber er wirkt vergleichsweise ungefährlich gegenüber älteren Geschichten. Auch mit Professor Carter Nichols gibt es ein Widersehen und Batman und Robin müssen bei ihrer Zeitreise diesmal Robin Hood hilfreich zur Seite stehen (Detective Comics #116). Unvergesslich sind auch die Namen der Künstler, die hier zu Werke waren: Hardin "Jack" Burnley und sein Bruder Ray Burnley, Don Cameron, die Batman-Erfinder Bill Finger und Bob Kane, Gene McDonald, Win Mortimer, Charles Paris, George Roussos, Alvin Schwartz, Howard Sherman, Dick Sprang. Kurze Biographien am Ende des Buches geben einen kleinen Einblick in das Schaffen der Kreativen. Insgesamt macht es Spaß, die Episoden zu lesen und Batmans Entwicklung mitzuverfolgen. Beste Unterhaltung ist garantiert, und wer sich für den Mitternachtsdetektiven und seine Historie interessiert, für den sind diese Handlungen ein Muss. Der sollte sich fangen lassen von dem Charme, der von diesen Abenteuern ausgeht.
Der Geist, der diesen Geschichten innewohnt, ist ein so ganz anderer, als der, in dem Batman in den aktuellen Heften dargestellt wird: Getrieben von Rache, und hart, rücksichtslos und eiskalt gegen jedermann. Jede Zeit hat ihren eigenen Batman und so ist es vergnüglich, ihn auch mal wieder so zu betrachten, wie damals. Und was meint Dennis O'Neil im Vorwort zu den Geschichten? "Und die Geschichten selbst? Lest sie einfach. Ihr werdet angenehm überrascht sein. Sie sind actionreich, auf den Punkt gebracht und mit erstaunlicher Klarheit und Zielstrebigkeit erzählt. Sie beweisen, dass die Autoren und Zeichner im Jahre 1945 genau wussten, was die Comics zu leisten vermögen und wie sie funktionieren. Sie gaben dem Land genau das, was es zu diesem Zeitpunkt brauchte - und was Ihr vielleicht auch gebrauchen könnt. Gute klassische Unterhaltung." Besser kann man es nicht formulieren.
Noch zu bemerken wäre, dass diesmal die Anzahl der Rechtschreibfehler gegenüber dem letzten Archiv sehr, sehr drastisch gesunken ist. Mir sind nur vier aufgefallen - auf nahezu 230 Seiten. Das ist sehr erfreulich - die vielfachen
Bemühungen, Fehler auszumerzen, fruchten.
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