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DC Archiv 9: Batman IIIPreis: DM 89,- Endlich geht es mit der Archivreihe weiter! Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Hier stimmt einfach alles. Echte Qualitätssprünge gegenüber den ersten beiden Batman-Bänden sind deutlich zu bemerken. "Batman Created by Bob Kane" - so steht es seit vielen Jahren (genau genommen ab August 1977 in TEC #471 und dann einen Monat später auch in US-Batman #291) zu lesen in den Comic Books, in denen der maskierte Detektiv erscheint....Wieso eigentlich - so kann man sich fragen - nur "... by Bob Kane"? Auch in den ersten beiden Archivausgaben werden als Zeichner nur Bob Kane und als Autor noch Bill Finger genannt. Dabei weiß man doch, dass schon von Anfang an auch andere Künstler mitwirkten. Wer waren sie? Haben nicht Bill Finger, Dick Sprang (und viele andere!!) genauso am Entstehungsprozeß mitgewirkt? Sind ihre Verdienste nicht ebenso zu würdigen? Wie dem auch sei, in den Jahren 1943/1944 spielte diese Frage wohl noch nicht die Rolle. Und in diesen Jahren - genau von Januar 1943 bis April 1944 erschienen die US-Detective Comics #71 - #86. Und diese 16 Batman&Robin-Geschichten sind im "US-Batman Archives 3" reprinted. Und dieser ist nun bei DC-D in deutscher Übersetzung als "DC Archiv Edition Band 9" herausgegeben. Und endlich werden all die anderen Namen genannt. Kleine Biographien geben einen Einblick darüber, wer sie waren und was sie geleistet haben. Erstmalig werden die anderen Beteiligten am Entstehungsprozeß der alten Comics alle aufgeführt und gewürdigt. Allein das Vorwort von Jerry Robinson ist sein Geld wert!! Robinson plaudert aus der Anfangszeit der Comicschaffenden, aus der Gründerzeit, der er selbst auch angehört. So manche Anekdote gibt er zum Besten und läßt den Leser eintauchen in die Lebenswelt der damals Beteiligten: Bill Finger, Bob Kane, George Roussos, Jack Burnley, Dick Sprang, Charles Paris und viele, viele andere. Robinson ist 1922 geboren und war der erste Zeichenassistent, den Bob Kane zu sich in die Mannschaft holte. Er hat alles miterlebt von der ersten Stunde an und in seinem Vorwort gibt er wieder, was er so alles in dieser langen Zeit erlebt hat, wie die Umstände damals waren und schlägt auch nachdenkliche Töne an. Dieser Robinson ist einer der letzten ganz Großen aus der Anfangszeit des Mediums "Comic". Er versucht auch Lösungsansätze zu liefern, auf die Frage, warum Batman so langlebig ist und warum diese Figur so erfolgreich. Was macht die Mystik des Dunklen Ritters aus? Wenn einer eine Antwort versuchen kann und darf, dann ist es sicherlich Jerry Robinson. Er räumt auch mit dem sich hartnäckig haltenden Gerücht auf, dass er selbst damals bei der Namengebung von "Robin" Pate gestanden haben könnte: Er gibt vielmehr an, dass es Robin Hood war, der bei der Findung des Namens mitgeholfen hat - das erklärt auch die rot/gelb/grüne Farbgebung des Kostüms. Für Batman war es wichtig, einen Gesprächspartner zu haben und Batman hat durch Robin sehr viel von seiner (negativen) Dunkelheit verloren. Mit Robinson kann man eintauchen in ein Stück Comicgeschichte und wenn man möchte und wenn man von diesem Batman sich faszinieren lässt, dann kann man in diesem Comic versinken und am Ende nie mehr so ganz richtig auftauchen! Batman wurde von Bob Kane (24. Oktober 1916 - 3. November 1999), Bill Finger (8. Februar 1914 - 24. Januar 1974) und Jerry Robinson (und all den Anderen) in einen gesellschaftlich relevanten Kontext gestellt. Batman reagierte auf die politische und wirtschaftliche Situation der Amerikaner in den Jahren 1943/44, die noch spürbar unter den Auswirkungen der Depression litten und doch schon Mitten im Krieg waren. So verwunderte es auch nicht, dass Kane und Finger - beide aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammend - sowohl Eindrücke aus ihrem direkten sozialen Umfeld, wie auch nicht erfüllte Kindheitsträume in ihren ersten Batman-Serien verarbeiteten. In seiner Autobiographie schildert Kane sehr ausführlich die harten Lebensbedingungen eines Comic-Schaffenden im New York der dreißiger Jahre. Für ihre ersten Geschichten brauchten die drei nur die Augen offen halten: Da gab es die kleinen Straßenganoven, korrupte Polizisten, zwielichtige Ärzte und Wissenschaftler in dunklen Hinterhöfen, raffgierige Händler mit fremdartigen Gesichtszügen und Räuberbanden. Vorherrschend war eine Atmosphäre, die der Leser aus seiner eigenen Nachtbarschaft kannte und daher war "The Batman" der Mann, der diesen Gangstern Einhalt gebot, ihr Held. Und diese 16 Geschichten geben einen guten Einblick in die damalige Zeit. Es ist gut, dass dieses Stück Comic-Geschichte wieder durch eine erschwingliche Neuauflage (89,00 DM ist zwar viel Geld, aber für ein solches Buch sehr wenig) neuen und alten Fans zugänglich gemacht wird. Sehr schön ist auch, dass alle Cover im Innenteil abgebildet sind. Sehr schön empfinde ich es, dass - anders als bei Dino - sie nicht eingedeutscht wurden. Hier eine kurze Inhaltsangabe der sechzehn Geschichten: TEC #71: Batman und Robin treffen auf den teuflischen Joker TEC #72: Batman und Robin bekämpfen Larry, the Judge, einen kriminellen Unterweltboss. TEC #73: Das Dynamische Duo trifft auf Scarecrow! TEC #74: Batman und Robin treffen auf zwei neue Erzfeinde: Tweedledum und Tweedledee TEC #75: Batman und Robin bekämpfen den Robber Baron. TEC #76: Und wieder einmal müssen Batman und Robin gegen den Joker antreten. TEC #77: Batman und Robin gegen Doktor Matthew Thorne. TEC #78: Batman und Robin bekämpfen Baron Von Luger, eine besonders bösen Nazi-Schergen!! TEC #79: Batman und Robin helfen einer Schauspielerin gegen einen bösen Buben. TEC #80: Batman und Robin müssen gegen Two-Face kämpfen. TEC #81: Batman und Robin treffen erstmalig auf den Cavalier! TEC #82: Batman und Robin messen sich mit Blackie Blondeen. TEC #83: Batman und Robin treffen auf Dr. Goodwin. TEC #84: Batman und Robin treffen auf Ivan Krafft. TEC #85: Und wieder müssen Batman und Robin gegen den Joker antreten! TEC #86: Batman und Robin treffen auf Gentleman Jim Jowell. Was mir noch so aufgefallen ist: In US-Detective Comics #80 heißt Two-Face noch Harvey KENT(!). Erst in US-Batman #50/2 "The Return of Two-Face!" (Dez. 1948/Jan. 1949) wird er in Harvey DENT umbenannt. Die damaligen Redakteure wollten nicht, dass der Name "Kent" mit negativen Assoziationen verknüpft wird. Schließlich hieß ja Superman in seinem bürgerlichen Leben Clark Kent. Und so entschloß man sich aus "Harvey Kent" kurzerhand "Harvey Dent" zu machen. Hier im Archiv heißt Two-Face schon Harvey Dent. Absicht? Hat man hier einen vermeintlichen Fehler ausbauen wollen? Der Gedanke, dass man sich hier was dabei gedacht hat und erst dadurch sich vom Original entfernt hat, ist ganz interessant. Bei DINO hieß er noch entsprechend dem Original "KENT". Übrigens: Kane selbst sagt, dass die Idee zu Two-Face inspiriert wurde von Robert Louis Stevenson's klassischer Geschichte "The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde". Gerade hatte Alfed in US-Batman #16/4 "Here Comes Alfred!" (Apr./Mai 1943) seinen ersten Auftritt, so darf er natürlich nun in den Detective Comics auch nicht fehlen. War Alfred am Anfang noch recht dick und rund, veränderte er in TEC #83 sein Aussehen radikal - nach einem Urlaub kommt er wieder und hat die Zeit genutzt, um ordentlich abzunehmen. Einen Oberlippenbart hat er sich nun auch wachsen lassen: Nun sieht er so aus, wie wir ihn auch heutzutage kennen: Schmal und dünn und mit dem Bärtchen. Dieser Alfred ist bekannt unter der Bezeichnung: SKINNY Alfred. Übrigens: Einen Nachnamen hat er noch nicht. Erst in US-Detective Comics #96, "Alfred, Private Detective!", (Feb. 1945) bekommt er einen Nachnamen: BEAGLE. Es sollte noch mal vierundzwanzig Jahre dauern, bis er umbenannt wurde in Alfred Pennyworth: US-Batman #216, "Angel--or Devil?" (Nov. 1969). Und hier noch mal für die Chronisten in Kurzform: TEC #74: erstes Auftreten Tweedledum und Tweedledee TEC #77: erstes Auftreten Doktor Matthew Thorne TEC #81: erstes Auftreten Cavalier (Mortimer Drake) TEC #83: erstes Auftreten "skinny" Alfred Und zu guter Letzt möchte ich auf eine Geschichte besonders eingehen: Es ist die aus US-Detective Comics #78 vom August 1943: "The Bond Wagon" - dt.: "Der Zug der Zeit" "Und so fängt es an: Dick Grayson, Bruce Wayne Mündel machte seine Geschichtshausaufgaben..." und muss feststellen, dass wohl "nicht viele Amerikaner sehen, dass wir einen revolutionären Krieg führen - wie 1776!" Und Bruce muss ihm beipflichten: "Stimmt! '76 kämpften wir für Freiheit gegen Tyrannei und heute auch!" Und da sich zu wenige Amerikaner auf diese Zeiten besinnen, werden auch zu wenige Kriegsanleihen gekauft! Sofort wird die Idee geboren: Batman und Robin wollen den "Zug der Zeit" organisieren und bewegende Szenen nachstellen, die Leute aufrütteln und Kriegsanleihen verkaufen! In Windeseile werden Leute rekrutiert, die mitmachen sollen. Die Männer, die sich melden, sind Männer, die scheinbar unehrenhaft sind, weil das Schicksal ihnen mitspielte. Aber dennoch gibt Batman ihnen eine Chance sich zu bewähren! In dieser Notsituation müssen alle Amerikaner zusammenstehen und gemeinsam den Feind besiegen! Das Schauspiel wird ein Erfolg und Kriegsanleihen werden sehr gut verkauft. Aber nicht alle freuen sich über den Erfolg: Baron Von Luger, der Anführer eines Nazi-Spionageringes gefällt das gar nicht und möchte diese farbenfrohe Werbekampagne sabotieren. Aber es kommt, wie es kommen muss: Die Kampfmoral der Amerikaner wird durch die hinterhältigen Attacken der deutschen Spione nicht irritiert, sondern genau das Gegenteil tritt ein. Alle wachsen in ihrem Mut über sich hinaus und können jeden noch so gemeinen Hinterhalt und alle ausweglosen Situationen meistern. Und da fallen auch schon mal solche Sprüche wie: "Diese Deutschen waren betrunken von Größenwahn.." oder "Herrenrasse - Soso! Herren der Heimtücke" und dem Double von George Washington legt man gar in den Mund: "Ich hacke lieber Nazis um, als einen Kirschbaum!" Lachen gibt Kraft Noch immer lähmen die Nachwirkungen des Schocks vom 7. Dezember 1941 das öffentliche Leben; noch immer wirken die Schockwellen nach und beeinflussen auch, wer was und wie in den Medien berichten soll und kann. Pietät bleibt ein Kriterium der Berichterstattung - aber sie behindert auch die Aufarbeitung der Geschehnisse. Das Comic-Book besann sich schneller als die anderen kommerziellen Medien darauf, dass "Comic Relief" - die Erleichterung durch ein befreiendes Lachen - Wunder wirken kann. Galgenhumor ist letztlich eine psychologische Instanz, die dazu dient, den Menschen auch im Angesicht des nackten Terrors handlungsfähig zu halten. ...ausgelacht werden lähmt Den Angelsachsen ist die älteste aller satirischen Traditionen näher und bewusster als etwa den Deutschen: Ein Feind, über den man lachen kann, hat keine Macht mehr. Die Stilisierung den Führer zum Satan auf Erden ist lähmend, verklärt den Kriegs-Paten zum übermächtigen Gegner. Da nehmen es die Amerikaner dankbar auf, dass Führers eigene Unterstützer ins Lächerliche gezogen werden. Mit dem Führer und seinen tollpatschigen Verbündeten, die ihre eigene Propaganda so stümperhaft organisieren und sich selbst lächerlich machen, wird man auch noch fertig. Mit diebischer Freude werden die Szenen nun nachgestellt und ein altes Segelboot darf sogar gegen ein hochmodernes deutsches U-Boot gewinnen. Das stärkt die Kampfmoral der Amerikaner und "nun stürmen sie den Anleihen-Stand" und "...die Nazis machen ihnen keine Angst mehr!" Diese Geschichte ist ein Stück Zeitgeschichte und um so wertvoller ist die Veröffentlichung als Zeitdokument. Schade und von daher völlig überflüssig ist es, dass hier die Hakenkreuze retuschiert wurden und als Fenster wiedergegeben werden. Wie groß ist denn wirklich die Gefahr, dass ohne die Veränderung jemand an diesem Dokument Anstoß nehmen könnte? Diese Archivreihe ist doch in erster Linie eine Würdigung eines Mediums und deren Macher, als eine Lektüre für Kinder. Auch auf den Splashpages einiger Hefte wird Reklame für den Kauf von Kriegsanleihen und Briefmarken gemacht um den Krieg zu unterstützen. Für den Sieg an der Front müssen alle mithelfen. Zu groß scheint noch der Schrecken zu sein, den ein ganzes Land nach Pearl Harbor lahmlegte. Und so wird z. Bsp. auch in TEC #73 dazu aufgerufen, Anleihen zu kaufen, damit die "Japanazis" besiegt werden können. Negativ: - die Hakenkreuze wurden retuschiert - Two-Face heißt Dent - Noch nie habe ich einen Comic mit Two-Face gelesen, in dem der Name ohne Bindestrich geschrieben wurde - nur hier! Positiv: - Vorwort !! - (Kurz-)Biographien - der niedrige Preis - sehr gute Übersetzung - Druck- und Papierqualität - Nahtlose Einreihung in die von DINO begonnene Reihe - "Nostalgie von mitreißender Power" - eine Anerkennung der Verdienste der Künstler und Schaffenden Empfehlung: Ein echtes Highlight für alle Sammler! Sofort kaufen und genießen! Norbert Elbers |
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