DC Premium 47: Batman: Das 100. Jahr

Enthält: “Batman: Year 100“ #1 bis #4; Feb. 2006 bis Mai 2006;
Text und Zeichnungen: Paul Pope;
Farben: Jose Villarrubia;
aus dem Amerikanischen von Christian Heiß;
Buch im Hardcover oder Softcover;
204 Seiten; farbig;
€ 30,00 HC/19,95,00 SC;
Panini/DC Comics;
Cover von Paul Pope
Um es gleich am Anfang zu sagen: Ganz einfach ist der Zugang zu Popes Werk nicht. Pope wir mitunter als der “Dark Prince of Comics“ betitelt und hier wird er seinem Namen mal wieder gerecht.
Pope selbst sagt über seinen Batman, dass dieser (obwohl er in einer weit entfernten Zukunft spielt!) “... nicht reine Science Fiction ist; er ist körperlich, er blutet, er schwitzt und er isst. Er muss sich in einem Polizeistaat behaupten und ist eine Mischung aus David Beckham (körperlich), Tesla (geistig). Er hat den Reichtum von Howard Hughes... ist aber in Wirklichkeit Nosferatu“ (sinngemäß).
(Exkurs: Nikola Tesla (1856 - 1943) war ein genialer Erfinder und Elektro-Ingenieur; nach ihm ist die physikalische Einheit der magnetische Flussdichte benannt; er wird auch des Öfteren mit diversen Verschwörungstheorien und Ufologie in Verbindung gebracht.). Raffinierte technische und elektrische Gimmicks spielen demnach – nicht unerwartet - im Comic auch eine große Rolle.
Pope siedelt also seine Story an im Jahr 2039, einhundert Jahre nach dem Debüt von Batman in DETECTIVE COMICS #27 von 1939. Batman ist vergessen, aber ein Ereignis bedingt, dass er sich wieder zeigt: Ein Agent wurde ermordet (erschossen) und so wie es scheint, ist der Mörder ein Mann mit Verkleidung, Cape und Maske. Die sofort eingeleitete Verfolgung aber ist erfolglos, denn der Fremde ist sehr schnell und sportlich trainiert. Selbst genetisch verbesserte Bluthunde mit eingebauten Kameras in den Augen können ihn nicht fangen. Aber auf der Flucht wurde dieser Mann sehr schwer verwundet und er sucht Zuflucht bei einer Bekannten: Kris Goss und ihrer Tochter Tora. Goss ist Ärztin und in der Lage, ihn wieder zusammen zu flicken.
Furioser Auftakt und so kann man durchaus hier die Rückkehr des einen Dunklen Ritters erkennen. Natürlich sind auch Assoziation mit "Blade Runner" unweigerlich, aber dennoch sollte (und kann) man sich diesem Werk immanent nähern. Macht vielleicht sogar mehr Spaß, als den ganzen Ballast im Hinterkopf zu ordnen.
Die Situation ist schon schwierig genug – nicht nur für unseren Protagonisten. Ist er doch der einzige, dem es gelingt, sich dem totalen Zugriff von Big Brother zu entziehen. Aber die Regierung setzt all ihre Mittel und Organisationen ein, um seiner habhaft zu werden. Und dann ist da auch noch der Commissioner von Gotham City: Er heißt James Gordon und ist der leibhaftige Enkel unseres bekannten James Gordon.
Bei seinen Nachforschungen in die Vergangenheit entdeckt er, dass sein Großvater schon es mit diesem Batman zu tun hatte, was ja nicht sein kann. Ganz nett werden hier drei Flashbacks gezeigt: Der erste ist datiert auf 06. Mai 1939 und dürfte somit auf TEC #27 zurückgehen. Auch die Silhouette ist unverkennbar mit besagtem Cover. Beim dritten Rückblick wird Ellen Yindel erwähnt, dass sie 1986 Commissioner war und von einem Kampf auf der Müllkippe wird berichtet (klar: Anspielung an DKR). Der zweite Rückblick führt ins Jahr 1968. Hier gelingt mir nicht ganz die eindeutige Zuordnung, aber ich glaube, dass er für die Zeit nach dem Editor-Wechsel von Jack Schiff zu Julius Schwartz steht. Da war dann von heut auf morgen Schluss mit Aliens und Bat-Mite u.ä. und Batman bekam sein gelbes Logo....hmm, das war aber 1964....Denny O'Neil schreibt seine erste Batman-Story 1970.....Adam West ist -Batman in 1966... und die Bemerkung mit den Blasen...?? Das Bild erinnert mich an Carmine Infantino. Oder Irv Novick...? Warum 1968?? Hippiezeit?? Flower-Power?? Die letzte Batman-Folge mit Adam West war 1968..? So ganz genau bin ich mir auch nicht sicher...?! .. Genug Ballast im Hinterkopf geordnet…
Zurück zur Story: Batman hat Freunde und Helfer, ohne die sein Kampf ziemlich aussichtslos wäre: Goss (die Ärztin) mit ihrer Tochter Tora und einen jungen Mann, der gerne an Motorrädern rumschraubt und am Ende ebenfalls zu Batman wird. Er ist eine Art Robin, der ein Erbe antritt? Sie alle setzen all ihr Geschick und ihre detektivischen Fähigkeiten ein, um das Rätsel hinter dem Mord zu lösen. Und immer ganz dicht verfolgt von diversen Agenten unterschiedlicher (rivalisierender?) korrupter, staatlicher Organisationen. Und alle wollen nur in den Besitz der Waffe namens Fleischkiller. Ein Virus, eine waffentaugliche Grippe. Wer sie besitzt, hat absolute Macht.
Geschickt und rasant vermag Pope gleichzeitig stattfindende Ereignisse zu schneiden – sein Aufbau der Spannung vermag von der ersten Seite an zu fesseln.
Ganz witzig ist auch die Szene, in der Batman sich vor seinen Häschern verstecken muss und dabei von einem kleinen Jungen beobachtet wird. Als dann die Verfolger den Jungen nach dem Verbleib des Flüchtlings fragen, gibt er keine Auskunft. Als sie dann weg sind, blickt Batman das Kind nur fragend an und dieser zeigt ihm eine kleine Action-Figur von Superman. Diese Szene ist so vielschichtig: Superman rettet Batman (mal wieder) und die Kinder verstehen noch, was Heldenmut bedeutet und, dass dieser in dieser Welt vonnöten ist.
An einer Stelle wird erwähnt, dass es keine Masken (Superhelden) mehr gibt – wie es dazu gekommen ist, wird nicht erklärt.
Ebenfalls wird erzählt, dass alle Insassen vom Arkham Asylum staatlicherseits ermordet worden sind. Zu der Zeit war der Enkel von James Gordon der Leiter der Anstalt. Nachdem es kein Asylum mehr gab, wurde er Commissioner in Gotham City. Jetzt glaubt er auch zu verstehen, warum gerade er diesen Job bekam: Falls irgendwann einmal dieser Batman wieder auftauchen würde, so hofft man, dass Gordon der Schlüssel zu ihm sein könnte.
Wer sich denn nun genau hinter der Maske von Batman verbirgt, wird ebenfalls nicht (eindeutig) geklärt, es gibt aber Andeutungen (aber keine Erklärungen), dass es immer noch unser alter guter Bruce Wayne ist.
Will Eisner hat einmal gesagt, dass die besten Comic-Storys die sind, bei denen der Autor und der Zeichner dieselbe Person ist. Nach der Lektüre von "Batman: Das 100. Jahr" wird diese Vermutung ein weiteres Mal bestätigt.
Wer Lust hat, kann ja mal auf Popes offizieller Homepage vorbeischauen: www.paulpope.com
by norbert elbers
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